Arlon – das klingt wie ein Zauberwort und ist für mich eine sehr emotionale Geschichte. Warum, kann ich gar nicht so genau erklären. Wo fange ich also an?

 

Arlon – damit sind die brettchengewebten liturgischen Bänder (Stola und Manipel) gemeint, die dem Hl. Bernhard von Clairveaux (1090–1153) zugeschrieben werden. Sie stammen aus dem Hochmittelalter, sind zu Zeiten der Französischen Revolution nach Arlon (Belgien) gekommen und haben die Kriegswirren unbeschadet überstanden. Sie zeigen insgesamt 29 einzigartige,  figürliche und florale Motive. Heute werden sie im Museum en Piconrue in Bastogne (Belgien) verwahrt, sind jedoch weiterhin Eigentum der Kirche St. Donat in Arlon. Und sie sind bis auf einige Ausbesserungen vollständig erhalten! – Die Geschichte dieser Bänder ist spannend wie ein Krimi!

Brettchenweben in Potshausen

Das Thema Brettchenweben fiel mich im Frühjahr 2012 wie aus heiterem Himmel an. Denn eigentlich kam ich nur durch Zufall auf diese Handarbeitstechnik, von der ich noch nie gehört hatte. Brettchenweben? Was ist denn das? Ich wollte mehr darüber wissen! Die ersten beiden Bücher, die ich mir kaufte, waren "Zauber des Brettchenwebens" und "Gewebte Bilder – Enträtselte Motive" von Otfried Staudigel, die ich sorgfältig studierte – nein, geradezu "verschlang". Sie sind für mich ein Volltreffer gewesen und meiner Meinung nach ein Muss in jedem Bücherregal! Da Otfried Staudigels Kontaktdaten im Buch standen, wagte ich es, mich mit ihm in Verbindung zu setzen. Er empfahl mir die Workshops in Potshausen, die er selber bis vor einigen Jahren geleitet hatte. 

Schon von Anfang an war klar, dass mich das Brettchenwebfieber voll im Griff hatte ... denn ich wollte wirklich alles wissen, und das so schnell wie möglich!

 

Als ich die Arlon-Motive zum ersten Mal sah, haben sie mich tief berührt und fasziniert. Mir war sofort bewusst, dass sie ein ganz besonderer "Schatz" waren. Und natürlich wollte ich sie unbedingt weben. Ich hatte jedoch keine Webbriefe, nach denen ich hätte weben können. So stand ich vor einer echten Herausforderung!

 

Ich begann, zunächst einfache, kleine Motive in Köpertechnik, in der die Arlon-Motive gewebt sind, zu weben.  Diese Technik begeisterte mich von Beginn an, denn sie ist die einzige Brettchenwebtechnik, in der man auch figürliche Motive weben kann. 

Potshausen Brettchenweben Otfried Staudigel
Der Kursraum in Potshausen. Im Vordergrund die Brettchenwebgestelle von Otfried Staudigel. Die schönen Gestelle sind bei ihm günstig zu erwerben (Kontakt: staudigel(at)brettchenweben.de)!

Webbrief Brettchenweben Arlon Lilie Gratis Download

Anschließend übte ich, kleinere, in Köper gewebte Motive in Webbriefe umzusetzen, bevor ich mich an die großen Arlon-Originalmotive wagte.

Webbrief Brettchenweben Arlon Lilie Gratis Download

Mini-Webbrief Arlon-Lilie

Ich habe einen Mini-Webbrief geschrieben, den ihr euch downloaden könnt. Diese einzelne Lilie stammt original aus einem großen Arlon-Motiv.  Ihr könnt damit ein "Lilienband" weben. Viel Spaß damit!

Download
Webbrief Arlon Lilie.pdf
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Bitte schickt mir eure Fotos, wenn ihr das Band webt! Ich werde sie dann hier veröffentlichen!


Die Arlon-Lilie gewebt

Arlon Lilie Köper St. Donat Mini-Webbrief
Das erste Lilienband hat Barbara Scheel gewebt (Material: Schappe-Seide von Zürcher).

Ate hat mit der Lilie experimentiert. Sie hat übrigens einen tollen Blog! Hier erzählt sie ihre persönliche Geschichte ihrer Arlon-Lilie.


Postkarte Arlon-Hündchen

Zu jeder Bestellung lege ich eine Postkarte mit einem Mini-Webbrief. Zurzeit habe ich ein kleines Hündchen aus einem großen Arlon-Motiv, das gewebt werden kann. Wer mir ein Fotos seines nachgewebten Hündchens schickt, den veröffentliche ich hier. Das Hündchen gibt es zum Gratis-Download.

Brettchenweben tablet weaving kaartweven Arlon Hündchen dog
gewebt von Elisa
Brettchenweben tablet weaving kaartweven Arlon Hündchen dog
gewebt von Elisa

Elisa hat nicht nur eine tolle Kette für das Hündchen aufgezogen. Sie hat das Hündchen-Motiv für sich auch gespiegelt und einmal auch mit gedrehtem Kopf gezeichnet und gewebt. Die Hündchen hat sie mit einem Diagonalmuster kombiniert. Aus dem Band will sie eine Tasche nähen. Danke, Elisa!


Musée en Piconrue, Bastogne (Belgien)

Musée en Piconrue, Bastogne (Belgien), Arlon Stola Manipel Bernhard von Clairveaux
☀︎ Musée en Piconrue, Bastogne (Belgien). Hier werden die Kasel, die Stola und der Manipel, die dem Hl. Bernhard von Clairveaux zugeschrieben werden, aufbewahrt.

 

Im Oktober 2014 besuchte ich mit meinem Mann das Musée en Piconrue in Bastogne (Belgien). Dort werden die beiden liturgischen Insignien (Stola und Manipel) sowie die Kasel (= liturgisches Messgewand) des Hl. Bernhard im Archiv verwahrt.

Der Direktor und eine Archivarin des Museums zeigten uns die Textilien, die in der öffentlichen Ausstellung nicht zugänglich sind – was für ein emotionaler Moment, die ca. tausend Jahre alten Bänder in natura zu sehen!

Arlon, Manipel, Phönix, nachgewebt von Claudia Wollny
Arlon: Der Phönix ist ein Motiv aus dem Manipel.

Die Webbriefe habe ich nach Fotos des Museums gezeichnet, die ich mit dessen freundlicher Genehmigung auch in meinem Buch abdrucken durfte.

 

Hier habe ich den Phönix nachgewebt. 

In meinem Buch "Die fabelhafte Welt der brettchengewebten Stola und Manipel zu St. Donat, Arlon" sind die Webbriefe für alle 29 Motive  enthalten. Darüber hinaus durfte ich von allen Motiven sämtliche Einzelfotos des Museums sowie meine Fotos der Originale und natürlich meiner Repliken abbilden.

Ich gehe in meinem Buch auch auf die Geschichte und Symbolik der Insignien ein: Woher stammen sie? Wie sind sie nach Arlon und nach Bastogne gekommen? Was bedeuten die figürlichen und floralen Motive? Mit wie vielen Brettchen waren die Originale ursprünglich gewebt? Aus welchem Material sind die Bänder gewebt und welche Farben haben sie?


Ein langer Weg ... auch für mich!

Arlon, Stola, Manipel, St. Berhard de Clairveaux
Meine erste Kette mit Arlon-Motiven.

So lang der Weg der Bänder von Arlon in die Gegenwart war, so geht auch meinen Repliken und meinem Buch ein langer Weg voraus. Er hat 2012 begonnen, als ich die Motive zum ersten Mal sah. Seit 2013 habe ich intensiv an der Umsetzung gearbeitet und "meterweise" Arlon gewebt ... bis ich dann endlich alle Webbriefe fertig hatte, das richtige Garn gefunden hatte und alles original nachweben konnte. Inzwischen habe ich  insgesamt mehr als 16 Meter Arlon gewebt ...

16 Meter Arlon ...
16 Meter Arlon ...

Angekommen!

Arlon Kirche Église St. Donat Stola und Manipel Hl. Bernhard von Clairveaux Brettchenweben
☀︎ Arlon: Ortseingang. Gleich sind wir an der Kirche St. Donat!
St. Donat, Arlon
☀︎ Der Weg zur Kirche St. Donat

Die Repliken sind gewebt! Sie entsprechen in Material, Größe und Farbigkeit den Originalen, so wie sie wohl vor tausend Jahren ausgesehen haben müssen. Denn natürlich sind heute die Farben der Originale etwas ausgeblichen. Mein Dank gilt Sébastien Pierre, dem Direktor des Museums en Piconrue, der für mich die Bänder und die Kasel des Hl. Bernhard aus dem Archiv geholt hat, sowie Otfried Staudigel, der das Museum um die exzellenten Fotos der Originale, nach denen ich die Webbriefe anfertigen konnte, gebeten hat. Außerdem hat er ein wunderschönes und sehr informatives Vorwort für mein Buch geschrieben! Darin enthalten sind bisher unbekannte Details, die den Weg der Bänder von Cambron nach Arlon und bis in die Gegenwart schließen. Und nicht zuletzt danke ich meiner Freundin Ingrid, die für alle meine Ideen und Überlegungen immer ein offenes Ohr hat, sowie meinem Mann Joachim für seine Geduld, seine Unterstützung und für alle Diskussionen rund um mein Herzensprojekt.

Das Buch ist erschienen! Auf der Shop-Seite könnt ihr euch ein Video sowie viele Seiten aus dem Buch ansehen.

Claudia Wollny Edition Die fabelhafte Welt der brettchengewebten Stola und Manipel zu St. Donat, Arlon
Cover: Die fabelhafte Welt der brettchengewebten Stola und Manipel zu St. Donat, Arlon
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St. Donat, Arlon

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